{"id":25,"date":"2015-01-28T08:47:27","date_gmt":"2015-01-28T07:47:27","guid":{"rendered":"http:\/\/alm.a-virtual-memorial.org\/?p=25"},"modified":"2016-04-28T07:58:10","modified_gmt":"2016-04-28T06:58:10","slug":"25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/?p=25","title":{"rendered":"Die Ausstellungen"},"content":{"rendered":"<p>Die Ausstellungen<\/p>\n<p><strong>Das Konzept von A Living Memorial \u2013<br \/>\nMahnmahlprojekt gegen das Vergessen, Rassismus, Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und Antisemitismus<\/strong><br \/>\nsah 7 Projektteile vor, Ausstellungen, welche jeweils einer anderen Farbe (Braun, Gr\u00fcn, Blau, Rot, Gelb, Wei\u00df\/Grau und Schwarz) und einer damit im Zusammenhang stehenden Symbolik zu geordnet werden sollten. Jeder Projektteil hatte mit Blick auf die Zielsetzungen einen anderen k\u00fcnstlerischen Inhalt, andere Aspekte zu transportieren, die zwar jeder f\u00fcr sich stehen sollten, aber letztlich erst in der Gesamtheit eine Einheit bildeten.<\/p>\n<p>Sinn dieses vielteiligen und vielseitigen Vorhabens war es, diese Projektteile immer wieder zeitgleich oder auch zeitlich versetzt an verschiedenen Orten einer anderen Region oder gr\u00f6\u00dferen Stadt als Farbr\u00e4ume zu installieren. Bei den Austragungsorten sollte es sich zumeist um \u00d6rtlichkeiten handeln, die zuvor keinen unmittelbaren Bezug zu Kunst hatten. Durch die Installation wurden diese zu Kunstr\u00e4umen und ver\u00e4nderten damit ihre Identit\u00e4t und die Wahrnehmung des Orts durch den Betrachter (zumindest) w\u00e4hrend der Dauer der Ausstellung.<\/p>\n<p>Es handelte sich um ein langfristig angelegtes, zeitlich unbegrenztes dynamisches Vorhaben, welches weit \u00fcber die Aspekte \u201eKunst\u201c, \u201eGedenken\u201c und der \u201eAuseinandersetzung mit dem Holocaust und Hitler\u2019s Totalitarismus\u201c hinausging.  Es war darauf hin angelegt, den Betrachter zu aktivieren und selbst kreativ zu werden, zumal optional aus Anla\u00df der Ausstellung erg\u00e4nzende Veranstaltungen, wie Vortr\u00e4ge, Diskussionen und anderes mehr durchgef\u00fchrt werden sollten,<\/p>\n<p>Ausgehend von der urspr\u00fcnglichen Ausstellung \u201e1000 Jahre, 50 Jahre und noch stets so schrecklich jung\u201c, welche Inhalt des \u201eBraunen Raumes\u201c wurde \u2013 \u201eBraun\u201c steht dabei in erster Linie f\u00fcr den Sumpf der Naziideologie, &#8211;  \u201eBlut und Boden\u201c- und w\u00e4hrend der Projektdauer in seinem Umfang weitgehend unver\u00e4ndert blieb, war das Vorhaben des Mahnmalprojektes auf einem guten Weg, als dessen Entwicklung im Herbst 1998 durch einen Anschlag j\u00e4h beendet wurde. Das eigentliche Vorhaben des Mahnmalprojekts blieb also weitgehend unvollendet. Dabei wurde die \u201eRuine\u201c des Vorhabens selbst zum Mahnmal der eigenen Zielsetzungen, was in der Folge aber nicht dazu f\u00fchrte, diese verbleibende Ruine tats\u00e4chlich nochmals oder \u00fcberhaupt als Mahnmal zur Ausstellung zu bringen. Aus Sicht des Jahres 2016 stellt sich dabei nat\u00fcrlich die Frage, wie mit dieser Ruine umzugehen ist, nachdem in diesen Tagen eine Anzahl von Objekten rekonstruiert wurden. <\/p>\n<p>Besonders war dieser \u201eBraune Raum\u201c von den Auswirkungen des Anschlags in Mitleidenschaft gezogen. Eine Vielzahl der Ausstellungsobjekte wurde derart gesch\u00e4digt, da\u00df es aus damaliger und heutiger Sicht keinen Sinn machte, die Gesamtheit der Ausstellung zu rekonstruieren. Hingegen war dies bei einzelnen Objekten sehr wohl m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Entwicklung des \u201eBlauen Raums\u201c und des \u201eGr\u00fcnen Raums\u201c war zur Zeit des Anschlags bereits weit fortgeschritten, was sich in der dynamischen Zusammenstellung der Ausstellungsinstallationen manifestierte, und bei der Installation des \u201eRoten Raums\u201c in Gladbeck handelte es sich eher noch um ein Experiment auf der Suche nach einer idealen Integrierung neuer, teilweise Computer gesteuerter Medien, jedenfalls soweit dies zum damaligen Zeitpunkt m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Der \u201eBlaue Raum\u201c schlo\u00df als eine Basiskomponente eine mehrteilige Reihe von Bildobjekten mit dem Haupttitel \u201eJeder ist ein K\u00fcnstler\u201c mit ein, was sich auf ein Beuys Zitat berief. W\u00e4hrend Beuys selbst nicht erl\u00e4uterte, um wen es sich tats\u00e4chlich dann um diesen K\u00fcnstler handelte, f\u00fchren dies die Bildobjekte jedoch explizit aus. Zudem handelte es sich bei dem \u201eBlauen Raum\u201c um eine Gegen\u00fcberstellung historischer und aktueller Ph\u00e4nomene mit einem starken Bezug zu \u201eT\u00e4ter\u201c und \u201eOpfer\u201c und deren Wahrnehmung in der Gesellschaft. Die Farbe \u201eBlau\u201c bezieht sich aber auch auf die Farbe der Flagge des Staates Israel.<\/p>\n<p>Die Farbe \u201eGr\u00fcn\u201c weist auf Leben, Ruhe, \u00dcberleben und damit auch auf Hoffnung. Mit Blick auf den Inhalt dieses Farbraums sind diese Deutungen ambivalent, denn die darin installierten Bildobjekte transportieren Dokumente untergegangener j\u00fcdischer Kultur und stellen diese der Begrifflichkeit von Sprache \u2013 deutsch und  &#8211; alternativ dazu, englisch \u2013 gegen\u00fcber.<br \/>\nIn Osteuropa einem einstigen riesigen Siedlungsgebiet von Juden, in denen diese zumeist sogar die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung bildeten, gab es zu dem Zeitpunkt, als der K\u00fcnstler Osteuropa nach dem Fall der Berliner Mauer bereiste, es gerade auf polnischen Boden oft keinerlei Hinweis mehr, da\u00df Juden da \u00fcberhaupt und zudem \u00fcber viele Jahrhunderte  lebten. Oft waren es verwilderte j\u00fcdische Friedh\u00f6fe au\u00dferhalb von Ortschaften, welche nach eingehenden Recherchen dann doch noch Hinweise auf einstigen j\u00fcdisches Leben lieferten.<br \/>\nDer K\u00fcnstler dokumentierte eine Vielzahl solcher j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe, die aber tats\u00e4chlich nur wenig \u00fcber die Lebenden und deren Kultur aussagen. Dennoch stellen sie vielfach den einzigen Ansatzpunkt f\u00fcr weitergehende Recherchen dar. An der Entv\u00f6lkerung dieser einstigen j\u00fcdischen Siedlungsgebiete war jedoch nicht allein die Vernichtung von Juden w\u00e4hrend des Holocausts schuld, sondern zuvor bereits die vielfach unertr\u00e4glichen Lebensbedingungen der Armut, in der die Familien der \u201eOstjuden\u201c lebten. Viele suchten ihr Heil in der Emigration, falls sie nicht zuvor durch lokale Progrome get\u00f6tet oder vertrieben wurden. Die systematische Vernichtung der Juden w\u00e4hrend des Holocausts vollendete lediglich die Entwicklung der Entv\u00f6lkerung, welche historisch gesehen aber weit fr\u00fcher begann.<br \/>\nDie Farbe Gr\u00fcn denkt dabei auch an die vielen \u00dcberlebenden, welche ihr Siedlungsgebiet schon vor dem Holocaust verlie\u00dfen und so eine Hoffnung f\u00fcr den Fortbestand j\u00fcdischer Kultur in aller Welt darstellten.<br \/>\nDie Objekte dieser Ausstellung basierten zum Teil aus fotografischen Dokumentationen des K\u00fcnstlers, welche, da die Negative teilweise noch existieren, neu aufgelegt und so zum Teil wieder hergestellt werden k\u00f6nnen. Eine umfangreichere Rekonstruktion dieses gr\u00fcnen Raums ist darum noch am ehesten vorstellbar.<\/p>\n<p>Die Farbe \u201eRot\u201c , welche den \u201eRoten Raum\u201c pr\u00e4gt, steht nicht nur f\u00fcr das Blut der Opfer, welches die T\u00e4ter vergossen haben, sondern auch f\u00fcr die unvorstellbare Aggression letzterer, welches das H\u00f6llenfeuer und damit den Holocaust entfachten. Die Ausstellung in der St\u00e4dt. Galerie Gladbeck bestand aus einer Rauminstallation von Objekten, welche, auf fotografischen Elementen gemischt mit bewegten Bildern, sich aufbauend, kollagenhaft sich eines Raums bem\u00e4chtigten, in dem der Besucher sich selbst als Eindringlich empfinden mu\u00dfte.  Mit etwas materiellen Aufwand lie\u00dfe sich diese Rauminstallation wieder rekonstruieren.<\/p>\n<p>Was die Kunstr\u00e4ume bzw, Ausstellungen mit Blick auf all die anderen Farben anbelangt, welche  dann 1998 auf Grund des Anschlags nicht mehr zur Realisation kamen, so stellt es eine Mutma\u00dfung dar, wie der K\u00fcnstler diese inhaltlich und \u00e4sthetisch ausgestaltet h\u00e4tte, denn die daf\u00fcr zu initiierenden k\u00fcnstlerisch, konzeptionellen Prozesse wurden f\u00fchrten noch zu keinem Ergebnis, somit er\u00fcbrigen sich auch \u00dcberlegungen,  etwas nicht Realisiertes heute zu rekonstruieren.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde, welche f\u00fcr eine Rekonstruktion dessen, was von dem Anschlag als \u201eRuine\u201c bruchst\u00fcckhaft \u00fcbrigblieb, sprechen, ist das 2015 durch Agricola de Cologne aus Anla\u00df der aktuellen Fl\u00fcchtlingskrise, welche zugleich auch Ausdruck einer Krise der westlichen Gesellschaft darstellt, initiierte Projekt \u201e:\/\/self~imaging \u2013 artist show face against Intolerance, Racism, Xenophobia and Antisemitism, mit Zielsetzungen, welche bereits vor fast 20 Jahren das Projekt \u201eA Living Memorial\u201c transportierte und heute mindestens genauso aktuell wie damals sind.<\/p>\n<p>Nichts k\u00f6nnte besser den Wahnsinn der abartigen Naziideologie darstellen als die \u00dcberbleibsel eines durch Neonazis zerst\u00f6rten Kunstwerks, nichts k\u00f6nnte besser den Zweck eines Mahnmals erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die damit im Zusammenhang stehenden Fragen sind in Zukunft zu beantworten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellungen Das Konzept von A Living Memorial \u2013 Mahnmahlprojekt gegen das Vergessen, Rassismus, Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und Antisemitismus sah 7 Projektteile vor, Ausstellungen, welche jeweils einer &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":33,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":173,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions\/173"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/33"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alm.nmartproject.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}